SPD Neckarau, Almenhof & Niederfeld

Erinnerung an den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Jakob Baumann

Veröffentlicht am 15.06.2011 in Partei

Am Montag, den 27. Juni 2011 werden in Mannheim die nächsten Stolpersteine verlegt. Das internationale Projekt ist eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der damit an Opfer des Nazi-Regimes zwischen 1933 und 1945 erinnert. Juden, politisch Verfolgte, aus religiösen Gründen Verfolgte, Behinderte, Euthanasieopfer u.a. gehören zum Kreis derer, die den Machthabern ein Dorn im Auge waren und deshalb vernichtet werden sollten.

Um 13:30 Uhr wird in der Mönchwörthstraße 51 (Neckarau) ein Stolperstein für Jakob Baumann verlegt. Er war einer der führenden Sozialdemokraten in Mannheim, 1935 wurde er deshalb wegen angeblichen Hochverrats verhaftet und verbrachte 10 Jahre im Zuchthaus.

Beispiel Jakob Baumann

"Wie gefährlich und oft von Zufällen abhängig die illegale Widerstandsarbeit war, lässt sich am besten an Hand von einigen Episoden ermessen. Das Beispiel Jakob Baumann soll für viele stehen.

Jakob Baumann, Vater der späteren Stadträtin Hilde Baumann, war Betriebsratsvorsitzender bei Heinrich Lanz und wurde wegen seiner politischen Überzeugung entlassen und 1934 verhaftet. Er war von 1930–1933 auch Stadtverordneter der SPD. Die Verbitterung darüber weckte und stärkte seinen Widerstandswillen. Er gehörte 1935 zu den Delegierten einer Gewerkschaftstagung in Luxemburg und betätigte sich im Führungskreis der sozialdemokratischen Widerstandsarbeit. Nach Jakob Ott und Karl Mayer war er Bezirksleiter der illegalen sozialdemokratischen Organisation in Baden. Mit Hans Heilig traf er sich öfter in dessen Wohnung und im „Keglerheim“ zu geheimen Treffen. Heilig hatte das Druckschriftenlager für ganz Baden-Pfalz-Hessen zu verwalten und war einer der wichtigsten Verteiler von antifaschistischen Flugblättern, Zeitungen und sonstigen Schriften. Mehrere unglückliche Zufälle führten zur Verhaftung von Jakob Baumann, Hans Heilig und Richard Houssong, einem Kurier aus dem Saarland.

Ein Stuttgarter Funktionär, Wilhelm Braun, seit März 1935 inhaftiert, konnte während einer Zeugenvernehmung fliehen. Er begab sich zu Hans Heilig und sollte so rasch wie möglich über die Grenze gebracht werden. Zusammen mit Jakob Baumann beschaffte Heilig neue Kleidung und ließ Braun schminken. Baumann nahm ihn mit nach Hause, Hans Heilig ging in seine Wohnung. Da er schon länger verdächtigt wurde, hatten Polizeibeamte möglicherweise im Zusammenhang mit Brauns Flucht bei ihm eine Kontrolle durchführen wollen. Ein bei ihm geparktes Motorrad führte auf die Spur zu Jakob Baumann. Ein Polzeikommando raste nach Neckarau und entdeckte dort den geflüchteten und gesuchten Wilhelm Braun.

Unglücklicherweise sollte an diesem Tag auch noch Richard Houssong mit einer Materialsendung aus dem Saarland ankommen und von Jakob Baumann am Bahnhof Ludwigshafen abgeholt werden. Als dieser am Bahnhof nicht erschien, fuhr Houssong zu Baumann und wurde dort, samt seiner etwa 1.500 Exemplare der „Sozialistischen Aktion“ (einer antifaschistischen Zeitung) und etwa 3.000 Streuzetteln im Gepäck, von den Gestapobeamten prompt in Empfang genommen.

Jakob Baumann wurde bei Kriegsende von amerikanischen Truppen aus dem KZ Ludwigsburg befreit. Von 1946-1948 war er Stadtrat und Mitglied des SPD-Kreisvorstands. Er starb 1951. Hans Heilig verbüßte 7 Jahre im KZ und ist 1973 gestorben. Richard Houssong war 5 Jahre lang inhaftiert. Da er in Neunkirchen/Saar wohnte, ist über ihn leider nicht mehr bekannt geworden.

Der Umfang der Verteilerorganisation blieb lange verborgen. Immer wieder waren Zufälle im Spiel. Ein Motorradunfall des Kuriers Friedrich Kirn 1934 auf der Strecke Landau – Ludwigshafen verschaffte der Gestapo die Gelegenheit, in der Region Mannheim/ Heidelberg/Pfalz einige Verbindungen und Kurierwege aufzudecken. Kirn hatte nämlich Propagandamaterial in seinem Gepäck. So wurde 1934 u.a. auch Franz Lockemann, später Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Waldhof, nach einer Hausdurchsuchung verhaftet und wegen Besitz von illegalen Druckschriften zu einer 1 1/2jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Vorher wurde der Angestellte der städtischen Straßenbahn ebenfalls entlassen."

Quelle: http://widerstandsausstellung.m-o-p.de/ausstellung/beispiel_jakob_baumann.htm

 

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